Und weiter zum Thema Identität: Der Wahrnehmung von außen stellen wir unsere eigenen Präferenzen, unsere bevorzugte Eigenwahrnehmung entgegen. Wir versuchen uns im Dickicht der äußeren Bilder zu behaupten. Wie aber die eigene Geschichte erzählen und von den anderen unterscheiden, wenn Fernsehen, Kino und Journale immerfort andere Geschichten zum Leitmotiv der Lebensführung machen?
Der Philosoph Safranski faßt dies in seinem kurzen Werk “Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch?” prägnant zusammen. “Der Mensch, statt Geschichte zu machen, ist in Geschichten verstrickt. Geschichte ist ein Gewimmel aus Geschichten und daher notorisch unübersichtlich. Hier eine Lichtung schlagen, bedeutet, im Gewimmel der Geschichten die eigene Geschichte entdecken, energisch festhalten und ihren Faden fortspinnen. Verhaltens- und Denkweisen pflegen, die zur globalistischen Hysterie nicht recht passen wollen.” (110-111)
Das Problem begann sicher schon lange vor der “globalistischen Hysterie”. Allein die Literatur ist angefüllt mit künstlerischen Schicksalen, die verzweifelt versuchten, ihre Lichtungen zu behaupten. Heute aber werden Bilder und Geschichten weit feinmaschiger kommuniziert. Das Individuum hat es schwerer, sich derer zu erwehren. Insofern kann man Safranksi zustimmen, wenn er feststellt, “der Globalismus ist ein Symptom der Überforderung.” Das Dickicht der Bilder ist enger geworden. “Der Globalismus macht die Räume eng und dort wo er wirklich sensibel, moralisch und verantwortungsvoll ist, türmt er Problemgebirge auf, an denen man verzweifeln kann.” (72)
Safranksi kommt zu dem fatalen Ergebnis “Die Globalisierung hält offenbar kein Mensch aus, darum die Einmauerung in Ideologien (Neoliberalismus, Multikulturalismus usw.) und die Flucht in Untergangs- und Rettungsphantasien.” (72) Er eröffnet damit eine Ursachenanalyse für eine ganze Bandbreite von Bewegungen. Sicher spielt die Globalisierung eine wichtige Rolle bei der individuellen Identitätssuche. Es bleibt aber fraglich, ob sie allein ausreicht, diese zu erklären.

rambles and rants about life and the universe.
Happy birthday Rainer,
lass es Dir heute gut gehen und geniesse den schoenen Tag.
herzlichst
Die Familie Adam
(The Man from Mosel River)
Comment by Rainer Adam — June 20, 2007 @ 3:43 am